Die Kraft des Glaubens


Wenn vom Glauben die Rede ist, dann denken viele sicherlich zuerst an den christlichen Glauben. Von Nietzsche gibt es zudem das Zitat „Glauben heißt nicht wissen“. Der Ausdruck „Wissen“ steckt in Wissenschaft, deren Ziel es ist, das Wissen von der Welt zu erweitern. Die Wissenschaftler gehen dabei empirisch vor. Sie stellen eine Behauptung auf und versuchen, diese mathematisch oder durch Versuche zu beweisen.

Religion und Glauben haben mit Beweisen nichts zu tun. Zwar suchen wir Menschen auch hier gerne nach einem Beweis für die Existenz Gottes, doch gäbe es ihn, dann wäre es eigentlich kein Glaube mehr. Von seinem Ursprung her, hat der Glaube mit Treue oder Vertrauen zu tun. Für mich geht es deshalb um das Vertrauen in etwas, was für uns nicht „greifbar“ ist und das wir deshalb auch nicht vom Verstand her beweisen können.

Der Glaube ist aus diesem Grunde etwas Irrationales und bezieht sich auf eine innere Wahrheit. Denn nur in uns selbst können wir die Gewissheit erlangen, dass es Gott oder eine andere Form der höheren Macht gibt, die über unser irdisches Dasein wacht. Und wenn wir hieran fest glauben, kann uns auch niemand umstimmen.

Es gibt noch andere Sätze wie „Der Glaube versetzt Berge“ oder „Jedem geschieht nach seinem Glauben“. Letzterer ist abgewandelt von einem Jesus-Spruch in der Bibel bei Matthäus Kapitel 9, 29. Dort baten ihn zwei Blinde, sie wieder sehend zu machen, und er fragte sie: „Glaubt ihr, dass ich das tun kann?“, – und sie sagten: „Ja, Herr.“ Daraufhin berührte Jesus ihre Augen und sprach: „Euch geschehe nach eurem Glauben“. Da stellen sich für mich folgende Fragen: Wie viel Anteil hatte hier der Glaube der Blinden an ihrer Heilung? Heilte Jesus sie wirklich, oder war es der eigene Glaube, dass Jesus ihnen helfen konnte?

Seit vielen Jahren beschäftige ich mich mit der Frage, was Heilung ist oder wie Heilung wirklich geschieht. Immer wieder komme ich auf den Glauben, zum Beispiel wenn Eckardt von Hirschhausen von Patienten erzählt, die statt einem wirkungsvollen Medikament ein Placebo erhielten, also ein Mittel ohne Wirkstoffe. Obwohl sie wussten, dass es nur ein Placebo war, wurden sie trotzdem gesund. Reichte es aus, dass sie glaubten, dass die Tabletten doch wirkten? Oder vertrauten sie auf den Arzt, dass er ihnen nur etwas gab, was ihnen wirklich half? Wenn dem so ist, wer heilt dann eigentlich? Der Arzt bzw. der Heiler? Oder heilt sich der Patient selbst durch seinen Glauben?

Ähnliche Ergebnisse wurden auch von Patienten bekannt, an denen sogenannte Scheinoperationen durchgeführt wurden. Die Patienten wurden in Narkose versetzt und wurden an der entsprechenden Stelle am Körper aufgeschnitten, so dass eine Narbe zurückblieb. Doch es gab einen wesentlichen Unterschied: Die eigentliche Operation, also die Behandlung des kranken Körperteils, wie z.B. ein schmerzendes Knie, wurde nicht vorgenommen. Trotzdem hatten einige dieser Patienten nach der OP weniger Schmerzen und fühlten sich besser. Wie lässt sich dies wissenschaftlich erklären?

Unser Glaube bestimmt unser Leben

Der Glaube ist für mich ein Mysterium. Warum glaubt der eine Mensch an seine Heilwerdung und ein anderer nicht? Warum vermag der eine an einen christlichen Gott zu glauben und der andere nicht? Warum vermag der eine Patient an die Heilwirkung von Placebos zu glauben und ein anderer nicht? Ist es eine Lebenseinstellung? Hat es mit unserem Denken zu tun? Oder geht es gar noch tiefer?

Für mich steht der Glaube in Verbindung mit den Erfahrungen, die wir bisher in unserem Leben gemacht haben. Sind dies eher negative Erfahrungen und haben wir z. B. in unserer Kindheit kein Vertrauen in die Eltern oder in das Leben gewinnen können, dann werden wir sicherlich auch nicht glauben können, dass ein Arzt zu helfen vermag.

Unser Glaube entspringt für mich aus unserem Herzen. Wenn wir an etwas glauben, dann fühlt sich dies in unserem Herzen gut an. Es ist also nicht nur eine Sache unseres Denkens, sondern auch des Fühlens. In Verbindung mit Misstrauen oder Ängsten, dass uns nie etwas Gutes im Leben geschieht oder dass das Universum uns nicht liebt, entwickelt sich in uns sicherlich eher ein negativer Glaube, der einem erfüllten und glücklichen Leben im Wege steht. Fühlen wir uns aber innerlich geliebt und anerkannt und sind davon überzeugt, dass das Universum nur Gutes für uns bereithält, dann wirkt sich dies positiv auf unser Leben aus.

So metaphysisch und so irrational der Glaube aus Sicht der Wissenschaft auch ist, so beeinflusst er unser Leben aus meiner Sicht deshalb mehr als jede wissenschaftliche Tatsache. Glauben wir, dass wir von anderen Mitmenschen verachtet werden, dann empfinden wir Begegnungen mit ihnen entsprechend negativ. Glauben wir, wir sind die Größten, dann spiegelt uns das Leben genau dies wieder. Ist das, was wir in unserem Leben erfahren, also der Spiegel dessen, was wir von uns selbst glauben oder wie wir über uns selbst denken? Und wenn ja, wie könnten wir dann solche ungünstigen Glaubenssätze über uns verändern?

Wie schon angesprochen, geht der Glaube für mich viel tiefer als unser bewusstes Denken. Wir manifestieren uns unser Leben deshalb auch nicht alleinig aus ihm, sondern viel entscheidender sind die unbewussten Emotionen, welche unsere Vorstellungen von der Welt und die von uns getroffenen Entscheidungen beeinflussen. So erschafft unser Unbewusstes zu einem großen Teil den Erfolg oder Misserfolg in unserem Leben. Die daraus resultierenden Glaubenssätze lassen sich dann ändern, wenn wir uns mit diesen Emotionen, wie Misstrauen, Ängsten, Ablehnungen, fehlender Anerkennung etc., beschäftigen.

Dies geschieht auch nicht allein über die mentale Ebene, sondern nur in Verbindung mit unserem inneren Herzen. Öffnen wir unser Herz für diese Emotionen oder Ängste, nehmen sie vollkommen an und erlösen sie mit der universalen göttlichen Kraft, wandeln sich auch unsere Glaubenssätze und damit unser ganzes Leben. Durch diesen Prozess der inneren Transformation glauben wir dann mehr an uns selbst oder anders ausgedrückt, wir vertrauen uns selbst.

Mit diesem kraftvollen positiven Gefühl im Herzen, vermag uns das Universum dann mit positiven Lebenssituationen zu bereichern, und wir können ein bisher ablehnendes Gefühl, dass wir nicht liebenswert sind, wandeln in ein Gefühl der Wertschätzung und der Freude. Und damit wandelt sich unser Leben. Es liegt also ganz allein an uns, wie offen wir dem Leben begegnen und ob wir bereit sind, die Geschenke eines uns liebenden Universums anzunehmen und uns von ihnen bereichern zu lassen.

Vom Glauben zur Inneren Wahrheit

An diesem Punkt möchte ich zurückkommen zu dem Satz „Glauben heißt nicht wissen“. Wenn wir uns tiefer bewusst geworden sind, finden wir zu unserer inneren göttlichen Kraft oder erkennen das Göttliche in uns. In dem Moment erfahren wir wahrhaftig, dass es Gott gibt oder dass wir ein Teil einer universalen Schöpfung sind. Wir fühlen es in uns in einer tiefen Verbundenheit oder im Einssein mit unserer Umwelt oder dem ganzen Universum. Es ist dieses innere mystische Erleben, welches wir bis dahin im Außen gesucht haben. Wir fühlen dann auch die unendliche Liebe Gottes oder des Universums in jeder Faser unseres Seins.

In diesem Moment machen wir eine spirituelle Erfahrung. Wir hören damit auf, Gott oder das Göttliche weiterhin außerhalb von uns zu suchen, denn wir haben es jetzt in uns gefunden und gelangen dadurch zu einer für uns unwiderlegbaren inneren Wahrheit,einer Wahrheit, die für uns nicht mehr bewiesen werden muss. Für mich ist dies das Ende des Glaubens. Wir sind nun einen Schritt weitergegangen und wissen, was für uns gut und richtig ist. Es ist ein Aspekt des Erwachens in ein spirituelles Bewusstsein.

Hier sehe ich auch den Unterschied zwischen Religion und Spiritualität. Religion bedeutet für mich Rückverbindung. Wir fühlen uns verloren und sind auf der Suche nach uns selbst, nach einem Halt im Leben. Der Glaube hilft uns dabei, einen solchen Halt in einem Lehrer, in bestimmten Ritualen oder Gebeten zu finden. Diese haben das Ziel, uns spirituelle Erlebnisse zu ermöglichen, also diese Gotteserfahrung der Einheit und der allumfassenden Liebe zu machen, die ich oben schon beschrieben habe.

Wenn wir dies erlebt und auch verinnerlicht haben, ist es eine spirituelle Erfahrung, welche ab diesem Moment unser Leben vollkommen verändert. Denn wir erkennen dann, dass alle äußeren Lehrer, Gurus, Rituale oder Gebete für uns nur Hilfen sind und nicht alleinig selig machend. Dann können wir die bisher gelebte Religion als eine sinnfindende Stütze in unserem Leben loslassen und unseren ganz individuellen spirituellen Weg hin in unser göttliches Erwachen gehen. Auch vermögen wir zu erkennen, dass Tabletten oder Operationen nicht wirklich zur Heilwerdung beitragen, sondern nur die Kraft unseres göttlichen Seins.

Die Verantwortung für unser Leben übernehmen

Dann glauben wir nicht nur, dass wir etwas in unserem Leben verändern können, wir wissen es. Ganz tief in unserem Inneren wissen wir, dass wir mit der in uns wohnenden göttlichen Kraft alle unsere Probleme lösen und alle Krisen in unserem Leben bewältigen können. So vermögen wir, beruflich erfolgreicher zu werden, erfülltere Beziehungen zu erfahren oder ein gesundes Leben zu führen.

Damit zeigt sich auch, es liegt alleinig an uns. Es sind niemals die Umstände, wie Chefs, die uns nicht leiden können, Lebenspartner, die uns das Leben schwer machen oder Krankheiten oder andere Schicksalsschläge, die uns von einem glücklichen und zufriedenen Leben abhalten. Wir müssen aber bei uns selbst anfangen und die Verantwortung für unser eigenes Leben vollkommen übernehmen.

Ich weiß, dies klingt in diesem Text einfacher, als es im wirklichen Leben oft ist. Doch wir leben nun einmal in dieser Welt, und wenn wir in unserem Leben weiterkommen möchten, so müssen wir uns mit all ihren Herausforderungen auseinandersetzen. Nur Wahrhaftigkeit zu uns selbst zusammen mit einer Prise Zuversicht helfen uns dabei.

Könnt ihr daran glauben?

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